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WURZELGEMÜSE   <<      K N O L L E N S E L L E R I E




Dezember 2011 (ergänzt im Februar 2015)
Deutscher Name: Knollensellerie
Bulgarischer Name: Zelina Целина
Botanischer Name: Apium graveolens var. rapaceum.
Familienzugehörigkeit: Apiaceae/Doldenblütlergewächs
Verwandte Doldenblütler: Anis, Dille, Fenchel, Liebstöckel, Kerbel, Karotte, Kerbelrübe, Koriander Petersilie, Pastinake und Zuckerwurzel 

Meine Meinung: Sellerie ist nicht für jeden ein gesundes Gemüse (siehe Warnhinweise). Ich schätze ihn wegen seines einzigartigen Aromas und nehme ihn eher selten zu mir. Er ist ein Bestandteil meiner Suppenwürze und ein- bis zwei Mal im Jahr esse ich in paniert. Mein Bedarf ist daher auf ein paar Knollen im Jahr beschränkt. Um im Sommer und im Winter dieses Gemüse zu haben ziehe ich Anfang März für das Freiland vor und sähe Ende Mai im Freiland.

WARNHINWEISE: Sellerie ist einer der häufigsten Nahrungsmittelallergene. Fast die Hälfte aller diagnostizierten Nahrungsmittelallergien werden auf ihn zurück geführt. Wer auf Beifuß oder Birke allergisch reagiert ist fast immer auch auf Sellerie bzw. Doldengewächse allergisch. Durch erhitzen lässt sich nur ein Teil der allergieauslösenden Stoffe entfernen. Wird der Sellerie gekocht gehen die Allergene ins Kochwasser (Suppe) über.
Wenn der Sellerie mit dem Scleritinapilz infiziert ist kann es auch zu Hautproblemen bis hin zu Kontaktdermatitis führen. Eine Infektion der Knolle ist an seiner rosa/rot-Färbung zu erkennen. Mit Handschuhen geschält ist eine infizierte Knollen aber noch immer bedenkenlos zu verwenden

Boden und Lage: Der Knollensellerie liebt schwere nahrhafte Böden die mit Kompost oder Mist gedüngt wurden. Neutrale Böden mit ausreichender Feuchtigkeit, PH 6,5 - 7,5.  Er liebt und braucht Kalium, das ich ihm in Form von Holzasche zukommen lasse. Stickstoff braucht er auch. Wenn ich im Herbst das Beet für ihn vorbereite arbeite ich eine Extraportion anrottenden Ziegenmist in den Boden ein.
Er liebt windige luftige Standorte und sollte nicht auf einem flachen Beet gepflanzt werden. Einen Hügel aufhäufen und den Sellerie oben pflanzen bringt gesunde und große Knollen.

Auf leichten Böden gezogener Sellerie ist nicht für Lagerung geeignet.


Anbau: 
Für das Freiland vorziehen: Die Anzuchtzeit beim Knollensellerie dauert mit zwei Monaten, recht lange. Daher beginne ich Anfang März mit der Aussaat.
Sellerie ist ein Lichtkeimer, daher streue ich die Samen auf die Erde und drücke sie mit einem Wasserglas oder ähnlichem leicht an. Bis die ersten Keimlinge sich sehen lassen vergehen 10-14 Tage. Bei manchen Sorten, wie z.B. dem Wiener Riesen kann es auch bis zu drei Wochen dauern.
In dieser Zeit darf die Erde nicht austrocknen. Die Erde soll feucht sein aber nicht nass.
Die Keimtemperatur beträgt 16-20 ºC. Höhere Temperaturen verhindern im späteren Wachstum die Schosserbildung und verkürzen die Keimzeit.
Sobald die ersten Laubblätter gewachsen sind darf die Temperatur nicht unter 15°C fallen sonst erhöht sich die Schossergefahr erheblich. Ganz kritisch wird es wenn über mehrere Tag Temperaturen unter 8°C auf die Pflanze einwirken. Die Schossergefahr lässt sich durch Temperaturen über 20°C jedoch stoppen. Einige Wochen nach der Keimung, meist sind es 4-5 Wochen ab der Aussaat, pikiere ich in kleine Töpfe.
Auspflanzen: 
Haben die Pfläntzchen 6-8 Laubblätter und die Außentemperatur stimmt setze ich sie ins Freie. Achtung: Sellerie verträgt keinen Frost. Abstand 40-50cm. Ein zu geringer Abstand hat Auswirkung auf die Knollengröße. Die Pflanztiefe solle nicht von der in den Vorziehtöpfen abweichen. Die Jungpflanze zeigt uns ja wie sie es am liebsten hat. Wenn der Sellerie in den ersten Tagen etwas wackelig auf den "Beinen" ist nützt es mehr als es schadet.
Aussaat im Beet: Die Aussaat erfolgt normalerweise von Mai bis Juni im Abstand von 40-50 cm. Ich säe mehrere Samen aus und entferne, nach dem die ersten Laubblätter zu sehen sind, die schwächeren.

Fruchtfolge: Niemals Sellerie hintereinander oder nach andere Doldenblütler auf demselben Platz anbauen. Vier Jahre Anbaupause einhalten. Sellerie ist ein Starkzehrer.

Mischkultur: Sellerie verlangt nach Mischkultur, da er sich selbst sehr feindlich ist!
Gute Nachbarn: Mischkultur mit  Paradeiser hat sich bewährt. Alle Kohlarten (Sellerie vertreibt Kohlweißling, Kohl verhindert Sellerierost und Selleriefliege sowie Blattfleckenkrankheiten an Tomaten), Paradeiser stimulieren das Wachstum und vertreiben den Kohlweißling, Brokkoli, Erbsen, Gurken, Haferwurzel, Kamille, Lauch, Rauke, Ringelblumen, Spinat, Stangenbohnen, Tagetes und Zwiebeln.
Schlechte Nachbarn: Artischocke, Dill, Endivie, Gartenkresse, Kartoffeln, Kopfsalat, Möhren, Paprika, Pastinake, Petersilie, Rucola und Zuckermais.

Pflege: Der Sellerie kann während seines Wachstums bis zu zweimal nachgedüngt werden. Wird mit Brennnessel gemulcht bekommt er sein "geliebtes" Kalium und auf nachdüngen kann verzichtet werden.
Steinmehl tut den Pflanzen gut. Mulchen mit Beinwell, Brennnessel, Farnblättern oder Ringelblumen ist in jedem Fall förderlich. Beim Mulchen ein paar Zentimeter Abstand zur Knolle lassen. Von Juni bis September braucht der Sellerie genügend Wasser. Beim Gießen darauf achten, das weder die Blätter noch die Knolle bewässert werden.

Ernte und Lagerung: Die Ernte sollte unbedingt im Herbst, vor der ersten Frostperiode, abgeschlossen sein, denn Sellerie verträgt Temperaturen ab -3 Grad nicht mehr.
Einzulagernde Knollen erntet ich besonders schonend und bei trockenem Wetter. Bei Lagersellerie entferne ich weder die Blätter noch die oberen Wurzeln. Die anhaftende Erde schüttle ich ab, putze sie aber nicht weg. Nicht der Sonne aussetzen. Erdmiete oder Frühbeet sind gut geeignet um auch noch im Frühjahr frische Knollen genießen zu können. Knollen mit einer Höhlung am Blattansatz nicht einlagern, sie neigen zur Weichfäule.
Trocknen ist möglich. Einfrieren nur gekocht oder blanchiert.

Vermehrung: Der Sellerie ist zweijährig und ein Fremdbestäuber. Weil sich Sellerie und Petersilie gegenseitig bestäuben werde können muss zwischen diesen beiden Pflanzen ein Abstand von mindestens hundert Metern sein oder ein Isolierkäfig mit Bestäubungsinsekten verwendet werden.
Das sind die Gründe warum ich selber vermutlich keine Samen ernten werde. Möglicherweise kann das Problem der Fremdbestäubung vermieden werden, indem die Blüten einer Sorte rechtzeitig abgeschnitten werden und so nur eine Art Samen bilden kann.

Sorten:
Wiener Riese: Von ihm hab ich Samen geschenkt bekommen, die ich
heuer (2015) aussäe. Da ich zum ersten Mal Knollensellerie anpflanze kann ich über Unterschiede im Aroma, Lagerfähigkeit usw. zu anderen Sorten noch nichts sagen. Der "Wiener Riese" soll eine gute Schossresitenz und auch eine gute Widerstandskraft gegen die Septoria Blattfleckenkrankheit haben. Dunkelgrünes Laub, eine braune Schale und reinweißes Fleisch sind Merkmale dieser Sorte.

Verwendung in der Küche:
Die Blätter des Knollensellerie sind gut im Geschmack und haben ein ausgezeichnetes Aroma. In Suppen frisch eingestreut oder mitgekocht entfalten die Blätter ihr unvergleichliches Aroma. Die Stängel schmecken bitter. Die Knolle lässt sich einkochen, in Essig einlegen und auch säuern.

Verwendung als Medizin:
Sellerie besitzt wertvolle Inhaltsstoffe, wie z.B. viele B-Vitamine und wichtige Mineralstoffe, es wirkt auf den Körper blutreinigend und entwässernd und ihm wird auch eine Wirkung bei psychischen Störungen zugeschrieben. Sellerie gilt übrigens seit Alters her zu den Aphrodisiaka.
Weder die immer wieder beschriebenen psychogenen als auch die aphrodisiakenden Eigenschaft sehe ich als bewiesen an.

Inhaltstoffe: Enthält ätherische Öle, Ballaststoffe, Bitterstoffe (Appiin), Butylphthalid, Chlor, Vitamin A, B6 (!) und andere B-Vitamine, C, E, K (100g enthalten ca. 140% des Tagesbedarfs), Folsäure, Eisen, Fluor, Jod, Kupfer, Selen (!), Schwefel, Zink (!), Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Natrium, Niacin und Phosphor. Der Vitamingehalt der Blätter ist höher als der der Knolle.


Rezepte:
Waldorffsalat, Suppe, Schnitzel, Suppenwürze

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Notizen zur weiteren Bearbeitung:

Foto tauschen und ergänzen
Auswirkung der Inhaltsstoffe beschreiben
Rezepte
Lagerung im Frühbeet dokumentieren
Ich habe gelesen, dass Sorten mit weißem "Fleisch" nicht so aromatisch sind weil ihnen das ???? weggezüchtet wurde. Welche Auswirkung hat das.