Kontakt  Selbstversorger
HOME 

FLEISCH  <<   T I E R E   T Ö T E N   U M   F L E I S C H   Z U   H A B E N

November 2015

Wenn wir Tiere mit Lebensmittel füttern, die wir selber essen könnten sind wir Schuld am Hunger dieser Welt. Diese Schuld möchte ich nicht auf mich laden.
Weder bekommen meine Tiere Mais, noch Weizen, Kartoffel oder ähnliches.
Meine Ziegen suchen sich im Sommer Laub, Gras und Wildkräuter. Im Winter bekommen sie Heu und Laub.
Sie machen mir aus "Gras" Fleisch.
Die Hühner suchen sich sowohl im Sommer als auch im Winter im Freien ihre Nahrung. Im Winter füttere ich sie mit Beikrautsamen, die bei der Reinigung von Getreide abfallen.
Schweine, die ich noch nicht habe, werden sich ähnlich ernähren.
Damit produzieren mir meine Tiere, unter anderem Fleisch, aus Nahrung die wir Menschen nicht verwerten können. 

Beispiel Ziegen:
Wer sich für Ziegenhaltung entscheidet dem muss klar sein, dass er sich im gleichen Moment auch für Schlachtung entschieden hat. Warum wird klar, wenn wir wissen, das Ziegen durchschnittlich gleich viele weibliche und männliche Kitze zur Welt bringen.
Haben wir Ziegen und wollen wir sie artgerecht halten so müssen wir die männlichen und weibliche Tiere getrennt voneinander halten (siehe Wildziegen).
Lassen wir alle männliche Ziegen (Böcke) am Leben werden wir in einigen Jahren viele dieser Tiere haben. Neben der Unterkunft brauchen sie auch getrennte Lebensräume und Futterplätze. Das Winterfutter (für ca. 5 Monate) müssen wir ihnen auch zur Verfügung stellen. Bei einer Lebenserwartung von 10-15 Jahren und kontinuierlicher Vermehrung wird klar welchen Aufwand dies bedeutet.
Lassen wir alle weiblichen Tiere am Leben wird sich unsere Herde immer weiter vergrößern. Wann der Zeitpunkt "es sind zu viele" gekommen ist muss jeder für sich entscheiden. Doch irgendwann ist dieser Zeitpunkt erreicht.
Verkaufen oder schlachten ist dann der weitere Weg. Verkaufe ich einen Bock, so ist klar, dass die Jungböcke nur zum Schlachten gekauft werden. Niemand kauft einen Bock um ihn groß zu ziehen.
Im Moment des Verkaufs eines Bockes gebe ich die Verantwortung des Schlachtens in fremde Hände. Aus Erfahrung weiß ich, dass ganz wenige Menschen das "gute Schlachten" beherrschen. Meist wird einfach nur geschlachtet. Ohne Rücksicht auf Tier, Leid, Schmerz und Seele. Mit diesem Wissen  bin ich "gezwungen" selbst zu schlachten. Ich nehme meine Verantwortung für das Tier auch beim Sterben wahr.
Wollen wir nicht verkaufen oder schlachten können wir uns auch noch für "nicht vermehren" entscheiden. In diesem Fall lassen wir unsere Ziegen nicht mit Böcken zusammen, wir lassen sie  ihren natürlichen Vermehrungstrieb
nicht ausleben. Da dies nicht artgerecht ist möchte ich es auch nicht. Abgesehen davon, dass sie mir dann keine Milch liefern und ich sowohl auf die Milch als auch auf die daraus gemachten Produkte wie Käse und Joghurt verzichten muss.

"Gutes Schlachten":
Bevor ich mir Tiere angeschafft habe und dadurch zum Schlachten "gezwungen" wurde habe ich gelernt wie Tiere ohne 
Stress, Schmerz und Qual getötet werden.
Christoph Wiesner dem ich sehr dankbar für das lehren bin, hat mir gezeigt wie es zu machen ist.
Beispiel Schwein:
Aus seiner Herde, die in einer Großgruppe, im Freien lebt, bringt er eine Kleingruppe (an die zehn Stück) in einen Stall. Dieses Übersiedeln macht den Tieren Stress. Daher lässt er den Tieren Zeit, damit sie sich berühigen und sie sich an die geänderten Umstände gewöhnen können.
Das Übersiedeln ist notwendig um das geschlachtete Tier auch unter vernünftigen Umständen verabeiten zu können.
Nach ca. einer Woche hat sich die Herde eingelebt und sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Das zu schlachtende Tier wird am Platz den es gewohnt ist, auf dem es lebt,
mit viel Ruhe und ohne Hektik, beim Fressen, mit einem Schussaparat getötet. In Bruchteilen von einer Sekunde bricht das Schwein nieder, ohne eine Laut zu geben oder gar zu leiden. Die anderen anwesenden Schweine schrecken, wegen des Knalls, kurz auf, ein Gegrunze ist zu vernehmen, so ähnlich wie " wer stört uns hier beim Fressen", um danach wieder ihr Fressen aufzunehmen.
Keines der Tiere nimmt den Tod des Artgenossen wahr.
Muss, aus irgendwelchen Gründen, das erschossene Tier 
am Ort des Geschehens auch ausgeblutet werden drängen sich die Rudeltiere um den Kadaver um das Blut zu fressen. Nun herrscht Aufregung. "Wer bekommt das meiste Blut und wer darf erst später", ist der Grund für die Aufregung.
Christoph erklärt diesen Umstand damit, dass Schweine Allesfresser sind und keine Nahrungsressource auslassen. Sie sind darauf programmiert alles Verwertbare tatsächlich verwerten zu wollen. Auch tote Artgenossen.
Beispiel Ziege:
Selber habe ich bereits zwei Böcke geschlachtet. Den Ersten konnte ich stressfrei von der Herde separieren. Aus den Umständen heraus musste ich ihn in unmittelbarer Nähe des Stalles ausbluten lassen. Weil das Blut in die Wiese floss konnte ich es nicht restlos entfernen. Meine Bedenken, dass die restlichen Ziegen in einer mir unbekannten, negativen Art reagieren werden wurden schnell zerstreut. Die Artgenossen haben das Blut beschnüffelt und ohne merkliche Reaktion danach ignoriert.
In unmittelbarer Nähe begannen sie Laub von den Bäumen zu fressen.
Beim zweiten Bock den ich geschlachtet habe haben wieder bestimmte Umstände dazu geführt, das die Herde sehr nahe am Schlachtplatz waren. Sie haben sich vor dem Knall des Schussaparates erschreckt, kurz Witterung aufgenommen und danach weiter gefressen. Mehrere Ziegen kamen danach zu dem am Boden liegenden Kadaver, nahmen Geruch auf und gingen wieder ihres Weges. Sie haben den Tod ihres Artgenossen nicht wirklich wahrgenommen oder ihn als selbstverständlich angesehen.
Verlieren Ziegen ein junges Kitz rufen sie es tagelang. Wehklagend rennen sie dann, oft ziellos, durch die Gegend, 
beim äsen halten sie manchmal inne und rufen ihr nicht mehr wiederkehrendes Kitz. Nicht so bei den älteren Böcken. Weder bei dem ersten noch bei dem zweiten geschlachteten Bock hat eine Ziege nach ihrem Kitz oder dem fehlenden Artgenossen gerufen. Sie haben scheinbar programmiert, dass ein männliches Kitz sich nach einiger Zeit von der Stammherde trennt um in die "Männergruppe" zu wechseln.

Keine Milch- und Fleischprodukte essen ist auch ein Weg. Nicht meiner. Alle die diesen, meinen Weg, nicht gehen möchten bringe ich Verständnis und Respekt entgegen.
Ich bitte diese Menschen um ihr Verständnis und ihren Respekt für mich, auf meinem Weg.



Danksagung: Christoph danke ich für die Weitergabe seines Wissens. Harald danke ich für die vielen Diskusionen und die damit verbundene Erkenntnis, dass wesensgerechte Tierhaltung nicht möglich ist.




---------------------------------------------------------------------------------------------------
Zur weiteren Bearbeitung:

Alle Jungziegen (Kitze), ob männlich oder weiblich, lasse ich so lange säugen so lange es die Natur vorgesehen hat (meist 4-5 Monate). Das bedeutet, dass ich in dieser Zeit keine Milch von der Mutterziege bekomme. Bringt eine Ziege ihre Kitze im März zur Welt werde ich erst im August Milch von ihr bekommen. Dieser "Milchverlust" bringt mir allerding Fleisch oder neue Ziegen.