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ZIEGEN<<   H E R K U N F T   U N D   W E S E N

Juni 2015)

Die Ziegen gehören zur Familie der Hornträger, sind Paarhufer und Wiederkäuer.
Sie stammt von der Wildziege ab und sind wahrscheinlich eines der ersten wirtschaftlich genutzten Haustiere. Seit mehr als 8000 Jahren begleiten sie die Menschen, geben ihne Milch und am Ende noch ihr Leben für Fleisch.

Um zu verstehen, warum meine Ziegen eine bestimmtes Verhalten an den Tag legen, ich nachvollziehen kann was sie lieben und brauchen, habe ich mich ein wenig mit der Lebensweise der Wildziegen beschäftigt. Hier sind meine Ergebnisse kurz zusammengefasst.

Der ursprünglich Lebensraum der Wildziegen ist das Gebirge.
Sie leben in Herden von 5-25 weiblichen Tieren samt Nachwuchs. In der Gruppe herrscht eine starke Rangordung. Die Rangfolge wird mit Drohgebärden und Kämpfen hergestellt und aufrecht erhalten.
Die männlichen Ziegen werden Böcke genannt und leben in Kleingruppen von 3-5 Tieren zusammen, getrennt von den weiblichen Ziegen. Innerhalb dieser "Männergruppe" werden auch Rangordnungs- kämpfe ausgetragen. Während der Paarungszeit (Brunft), die von August bis Dezember dauern kann, schließen sich die Böcke der Ziegenherde an. In dieser Zeit werden wieder, teils heftige, Kämpfe unter den Böcken, um das Paarungsvorrecht, ausgefochten.
Geisen, die weiblichen Ziegen, bekommen meist im 3. Lebensjahr die ersten Jungen. Sie werden Kitze genannt, manchmal auch Geislein (Der Wolf und die sieben Geislein als Beispiel genannt).
Ziegen sind saisonale Wesen, das heißt sie werden nur einmal im Jahr, zu einer bestimmeten Zeit, empfängnisbereit. Wie schon bei den Böcken erwähnt, von August bis Dezember. 140-150
Tage (annähernd 5 Monate) später bringen sie ihre Jungen zur Welt. Meist eines, manchmal auch zwei.
Wildziegen sind dämmerungsaktiv und gehen am Morgen und am späten Nachmittag auf Nahrungssuche. In den Sommermonaten ruhen sie den Tag über und werden nachtaktiv. sie sind Fluchttiere und stellen sich dem Feind nur im äußersten Notfall. Meist nur um die Jungen zu verteidigen.
Um vor ihren natürlichen Feinden geschützt zu sein schlafen Wildziegen auf erhöhten Plätzen.
Sie sind Fluchttiere und stehts wachsam, verfügen über einen ausgezeichneten Geruchssinn und
sehen , dank ihrer horizontalen Pupillenschlitzen, in einem Radius von 270°.
Ihre Nahrung besteht aus den Pflanzen die im Gebirge verfügbar sind. Blätter, Äste, Kräuter und ein wenig Gras.

Mit diesem Wissen um die Wildziegen versuche ich nun meine Ziegen zu verstehen, ihren angeborenen Instinkten gerecht zu werden und sie, dem entsprechend, artgerecht zu halten.

Alle Körpermerkmale unserer heutigen Ziegen sind auf diesen Umstand abgestimmt. Beginnend mit ihren Klauen, die ihnen erlauben meisterliche  Kletterkunststücke zu vollführen und endend mit ihrer Verdauung.


Da ich in einem Dorf lebe in dem sonst niemand lebt, kann ich meine Ziegen frei herumlaufen lassen.
Sie haben sich im Laufe der Zeit ihre bevorzugten Plätze gesucht, an denen ich sie finden kann, wenn sie am Abend mal nicht nach Hause kommen oder finden.



Obwohl sie in den angrenzenden Wald gehen könnten vermeiden sie das seit einige Monaten. Vermutlich sind sie einmal einem Fuchs oder Schakal begegnet, der in der Folge ein Kitz riss.
Zu dieser Zeit waren sie im Wald und kamen ohne Kitz klagend zurück. Von da an gingen sie nur mehr in meiner Begleitung in die Wälder und kehrten mit mir zurück. Nach einigen Monaten blieben sie zwar, nachdem ich sie verlassen hatte, alleine im Wald und durchstreiften ihn. Alleine allerding gehen sie, von sich aus, immer noch nicht hinein.
Bieten sich Felsen oder steiniges Gelände an lieben sie es darauf herum zu klettern und Blätter von höheren Ästen zu nehmen. 
Sie bleiben meist in der Gruppe und selten entfernt sich ein Tier. Manchmal bleibt eines zurück, weil es mit ihrem Lieblingsfutter beschäftigt ist. Sobald es allerdings merkt, dass es alleine ist, eilt es im schnellen Lauf der Herde nach.
Bei ungewöhnliche Geräuschen oder Bewegungen schrecken sie auf und sprinten davon. Meist nur ein paar Meter, um sich dann umzusehen was das Geräusch oder die Bewegung von z.b. Büschen ausgelöst hat. Sie sind Fluchttiere.
Es ist mir auch schon passiert, dass eine Ziege, die neben mir stand während ich saß, mich umgerannt hat. Hörner bergen in so einem Fall erhebliche Gefahren. Seither sitze ich nicht mehr vor einer Ziege oder neben ihr. Wenn, dann nur im Abstand von mindestens fünf Metern, sodass sie mir auch ausweichen kann, wenn sie flüchtet bzw. ich die Zeit habe zu reagieren. Wenn sie flüchten dann in alle Richtungen, wobei sie versuchen in kleinen Gruppen zu bleiben. Ist die Flucht zu ende suchen sie einander wieder um sich wieder zur Großgruppe zu vereinen.
Meine Hunde sind immer dabei. Die Ziegen haben sich an sie gewöhnt und umgekehrt. Die Hunde werden meist ignoriert. Die Herde geht an den Hunden vorbei als würden sie nicht existieren. Wollen die Hunde allerdings an den Ziegen vorbei müssen sie schon einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten. Tun sie es nicht, reagieren die Ziegen ohne Vorwarnung. Sie senken den Kopf und  greifen den Störenfried ohne Vorwarnung an. Eine Ziege, die Junge hatte, ließ die Hunde, die sie kannte und bis dahin ignorierte, nicht näher als ein paar Meter an die Kitze heran. Wurde die Distanz unterschritten wurde der Hund sofort und hart
attakiert.

Meist sind meine Ziegen alleine unterwegs. Am Morgen gemolken, zu einer guten Futterstelle gebracht, lasse ich sie dann alleine. Sie streifen in der Gegend herum, fressen, machen Pausen und kommen bei Anbruch der Dunkelheit wieder zum Stall zurück, wo ich sie dann wieder melke.
Es ist auch schon vorgekommen, dass sie auch bei Dunkelheit noch nicht zu Hause waren. Ich habe gesucht und sie immer gefunden, da sie ihr "Revier" haben und dieses selten verlassen. In einem Fall haben sie ein verlassenes Grundstück betreten und danach den Rückweg nicht mehr gefunden.
Scheinbar gingen sie von Garten zu Garten um sind dann an unüberwindlichen Zäunen gescheitert. In einem anderen Fall fanden sie eine fremde Scheune so gemütlich, dass ein Nachhausegehen nicht notwendig erschien.